Ein Stück Wildnis im Norden
Die Halbinsel Ulvshale im Nordwesten Møns ist eines der ursprünglichsten Naturgebiete der Insel. Der Ulvshale-Wald gilt als einer der wenigen weitgehend naturbelassenen Wälder Dänemarks: ein bunter Mischwald aus Eichen, Birken, Espen und Wacholder, der nie intensiv forstwirtschaftlich genutzt wurde. Der steinige Untergrund stammt aus eiszeitlichem Geröll, das hier zusammengeschoben wurde. Verwaltet wird das Gebiet von der Naturstyrelsen, der dänischen Naturschutzbehörde; ein Großteil gehört zum staatseigenen Naturnationalpark Ulvshale, der 2025 um rund 80 auf insgesamt etwa 380 Hektar erweitert wurde.
Wildpferde und Weideland
Ulvshale ist eines der wenigen Gebiete Dänemarks mit frei lebenden Wildpferden. Es sind Exmoor-Ponys, die als nahezu identisch mit dem europäischen Wildpferd gelten; 2020 zogen zehn junge Tiere aus Langeland zu. Zusammen mit Rindern beweiden sie rund 220 Hektar: sechs Pferde stehen in einer Waldkoppel im Ulvshale-Wald, vier im Südwesten um Heden, Vedelen und Gåsesøen. Die offenen Wiesen werden seit mindestens 700 Jahren beweidet – die Tiere halten die Landschaft offen und artenreich. Wer ihnen begegnet, hält Abstand und füttert sie nicht; es sind keine Streicheltiere.
Strand und Salzwiesen
Im Gegensatz zur schroffen Ostküste an Møns Klint ist der Strand von Ulvshale flach und kinderfreundlich – feiner Sand, seichtes Wasser und Dünen. Dahinter erstrecken sich weite Salzwiesen, auf denen Vieh weidet und zahllose Vögel rasten. Wer Ruhe und Weite sucht, ist hier richtig: An die großen Besucherströme der Kreidefelsen reicht der Andrang bei Weitem nicht heran. Ein Spaziergang vom Parkplatz durch Wald und über die Wiesen bis ans Wasser füllt eine bis drei Stunden, je nach Tempo und Lust auf Pausen.
Vögel und das Tor zur Insel Nyord
Ulvshale ist zugleich der Weg zur kleinen Insel Nyord: Seit 1968 verbinden ein Damm und eine Brücke die beiden, vorbei an den Nyord Enge – mit rund 400 Hektar eines der größten und vogelreichsten Salzwiesengebiete Ostdänemarks, unter Ramsar-Schutz und eines der besten Habitate des Landes für Wat- und Wasservögel. Die Brücke hat nur eine ampelgeregelte Fahrspur, ist aber ganzjährig mit dem Auto befahrbar.
Im Frühjahr und Herbst ziehen Tausende Gänse, Enten und Wasservögel durch; seltener zeigen sich Wanderfalke, Seeadler und Kranich. Drei offizielle Beobachtungspunkte lohnen sich:
- Vogelturm im Ulvshale-Wald – mitten im Naturgebiet.
- Vogelturm an den Nyord Enge – an der Hauptstraße, mit rollstuhlgerechter Rampe.
- Aussichtspunkt am Hyldevang Naturcenter auf Nyord.
Die klaren Nächte des Dark-Sky-Parks reichen bis hierher – Ulvshale und Nyord gehören zum geschützten Himmel im Norden Møns.
Besuch und Praktisches
Der Zugang ist ganzjährig kostenlos. Zwei Naturzentren ergänzen das Gebiet: das Naturcenter Ulvshalegård mit einer Ausstellung zu Natur und Geschichte und das Hyldevang Naturcenter auf Nyord mit Ausstellung, Spielplatz, Shelter, Sinnesgarten und einem rollstuhlgerechten Aussichtspunkt; beide haben eigene Öffnungszeiten. Behindertenparkplätze gibt es bei Ulvshale Camping, am Ulvshalegård und im Wald beim Vogelturm; eine Behindertentoilette steht bei Ulvshalegård, ein primitives, stufenloses WC bei Hyldevang. Eine Wanderroute ist rollstuhlgeeignet.
Hunde sind willkommen, müssen aber angeleint sein; der nächste Freilauf-Hundewald ist Stege Skov. Ulvshale lässt sich gut mit einer Wanderung auf Høje Møn verbinden oder als ruhiger Kontrast zu den Kreidefelsen einplanen; weitere Touren bündelt der Natur-Hub, ein Abschnitt des Fernwanderwegs Camønoen führt durch die Region (Wander-Guide). Hinweise zur Anreise über die Insel stehen im Anreise-Guide.