Wilde Natur hinter der Steilküste
Direkt hinter Møns Klint liegt Høje Møn („Hohes Møn”), ein hügeliges Waldgebiet, das zu den ursprünglichsten Landschaften Dänemarks zählt. Im Klinteskoven wachsen einige der ältesten Buchen des Landes, dazwischen die tiefen Erosionsschluchten, die das Schmelzwasser der Eiszeit gegraben hat. Im Frühjahr, bevor das Blätterdach dicht wird, leuchtet der Waldboden grün. Seit Møns Klint am 13. Juli 2025 als neuntes UNESCO-Welterbe Dänemarks anerkannt wurde, steht auch das Hinterland stärker im Blick – die Klippen ziehen rund 250.000 Besucher im Jahr an, der Wald bleibt dabei oft das ruhigere Erlebnis.
Orchideen auf kalkreichem Boden
Der kalkreiche Untergrund macht Høje Møn zu einem der artenreichsten Lebensräume Dänemarks. Auf den Magerwiesen von Høvblege und Jydelejet wachsen bis zu 18 der rund 42 dänischen Wildorchideenarten – mehrere davon andernorts im Land extrem selten. Høvblege wird seit über hundert Jahren als offene Weide gehalten, damit die lichtliebenden Arten nicht zuwachsen. Namentlich genannt werden unter anderem Pyramiden-Hundswurz, Weißes Waldvöglein und Braunrote Stendelwurz. Die Hauptblüte liegt im Mai und in der ersten Junihälfte; eine zweite Welle folgt im Juli.
Sieben Wanderwege durch den Klinteskoven
Im Wald sind sieben Routen von 2,2 bis 9 Kilometern markiert. Drei lohnen sich besonders:
- Gråryg (2,3 km, ca. 45 Min.): um den südlichen Klintteil über Klippenkante und Strand, mit der Grårygtrappen (468 Stufen) und der Maglevandstrappen (497 Stufen, Dänemarks längster Treppe). Körperlich anspruchsvoll.
- Røde Udfald (2,7 km): durch den nördlichen Teil, vorbei am höchsten Punkt Dronningestolen mit fast senkrechtem Abfall von 128 Metern.
- Timmesøbjerg (3 km): der dramatischste Abschnitt, durch Dänemarks älteste Buchen und an den Resten einer bronzezeitlichen Befestigung vorbei.
Wer mehr will, läuft die rund 14 Kilometer lange Runde „Klintekongens Rige” über Klippen, Strand, Hügel und Wald. Radfahren ist auf allen Wegen außer den Reitwegen erlaubt. Durch das Gebiet führt außerdem ein Abschnitt des 175 Kilometer langen Fernwanderwegs Camønoen – mehr dazu im Wander-Guide.
Dark Sky über Høje Møn
Møn und Nyord sind die erste Dark Sky Community und der erste Dark Sky Park der nordischen Region (Gold Tier) – und weltweit der erste Ort mit beiden Auszeichnungen zugleich. Bei klarem Himmel sind über 5.000 Sterne sichtbar: im Spätsommer die Milchstraße, im August Sternschnuppen, im Herbst die Andromeda-Galaxie, im Dezember besonders lange dunkle Nächte. Wichtig für die Planung: Der an das private Gut Klintholm grenzende Waldteil ist nur von 6 Uhr bis Sonnenuntergang zugänglich. Für die nächtliche Beobachtung eignen sich daher offene Plätze außerhalb dieses Abschnitts besser – mehr im Dark-Sky-Guide.
Besuch und Praktisches
Ausgangspunkt ist meist das GeoCenter Møns Klint mit Toiletten und Café; das Parken kostet dort 45 DKK. Kostenlos parkst du bei Camping Møns Klint oder bei Schloss Liselund und erreichst Høje Møn von dort ohne Gebühr. Das GeoCenter selbst ist nur von Ostern bis Ende Oktober geöffnet; im Winter bleibt es geschlossen. Toiletten gibt es am GeoCenter und bei Liselund, einen Picknickplatz mit Shelter bei Havrelukke – im Wald selbst findest du keine weitere Versorgung, nimm Wasser und Proviant also mit. Die Klint erodiert aktiv: Bleib auf Wegen und Treppen, klettere nicht an der Felswand und tritt nicht zu nah an die Kante. Wer Wald und Küste verbinden möchte, kombiniert die Tour gut mit einem Abstecher ins Naturschutzgebiet Ulvshale. Hinweise zur Anreise über die Insel bündelt unser Anreise-Guide.