Dänemarks größtes Ganggrab
Im dünn besiedelten Westen Møns liegt Kong Asgers Høj, das größte begehbare Ganggrab (dänisch jættestue) des Landes. Eine Grabkammer aus tonnenschweren Findlingen, überspannt von mächtigen Decksteinen, verbirgt sich unter einem Erdhügel. Ein niedriger Gang führt von außen ins Innere – und anders als bei vielen Megalithgräbern darf man hier tatsächlich hineinkriechen und in der Kammer stehen.
Der Name ist allerdings irreführend romantisch. Einen König Asger hat es nie nachweisbar gegeben; es handelt sich um einen volkstümlichen Flurnamen ohne belegten Herrscher und ohne überlieferte Sage. Mit einem Königsgrab im wörtlichen Sinn hat die Anlage nichts zu tun – sie ist viel älter als jede dänische Königsdynastie.
Geschichte und Maße
Errichtet wurde das Ganggrab um 3.200 v. Chr. von der Trichterbecherkultur, also vor rund 5.200 Jahren in der Jungsteinzeit. Es zeugt von einer dichten Besiedlung Møns lange vor der Wikingerzeit. Die Bauleistung ist beachtlich: Die Kammer misst etwa 10 Meter Länge bei gut 2 Metern Breite, der Gang ist rund 7,5 Meter lang und zeigt nach Südosten. Verbaut wurden 19 Tragsteine und 7 Decksteine.
Ausgegraben wurde die Anlage erstmals 1839 durch den Steger Kaufmann Gustav Hage; die Funde gingen an das Nationalmuseum in København. Bedeutende Grabbeigaben kamen dabei nicht zutage – vermutlich war das Grab über die Jahrtausende mehrfach genutzt und früh geplündert worden. Schon 1861 wurde es freiwillig unter Schutz gestellt. Heute kümmern sich die Vordingborg Kommune um Pflege und Beschilderung, die offizielle Aufsicht liegt bei der Slots- og Kulturstyrelsen.
Was dich erwartet
Das Grab liegt etwas versteckt am Rand von Feldern an der Kong Asgers Vej; die letzte Strecke führt über einen Feldweg. Im Inneren ist es eng, niedrig und stockdunkel – ohne Taschenlampe sieht man in der Kammer nichts. Man kriecht gebückt durch den Gang und kann sich dann in der hohen Kammer aufrichten. Festes Schuhwerk und eine Lampe gehören dazu, etwas Abenteuerlust ebenso. Für Menschen mit Platzangst oder eingeschränkter Mobilität ist der Gang nicht geeignet; schon der Hügel und die Lage in der stillen Landschaft lohnen aber den Weg, auch ohne Kriechtour.
Eine Altersempfehlung gibt es nicht; eine ruhige Hand mit der Lampe und festes Schuhwerk reichen. Für den Stopp sollte man 30 bis 45 Minuten einplanen.
Eine Rundtour der Steinzeit
Møn ist ungewöhnlich reich an Großsteingräbern, und um Kong Asgers Høj lassen sich gleich mehrere Anlagen zu einer kleinen Rundtour verbinden. Nur etwa 150 Meter südlich liegt die Runddysse Sprove stordysse (um 3.300 v. Chr.), rund 3 Kilometer südöstlich folgt Klekkendehøj, ein seltenes Doppel-Ganggrab mit zwei Eingängen und ähnlich alt wie Kong Asgers Høj. Beide sind ebenfalls frei zugänglich. Wer mag, schließt im Südwesten der Insel die Fanefjord Kirke mit dem benachbarten Großsteingrab Grønsalen an – ein guter halber Tag in der Vorgeschichte Møns.
Besuch und Praktisches
Die Anlage liegt an der Kong Asgers Vej in 4780 Stege und ist ganzjährig frei und ohne feste Öffnungszeiten zugänglich; Eintritt, Parkplatz und Feldweg sind kostenfrei. Am angenehmsten ist der Besuch zwischen Mai und September, wenn der Feldweg trocken ist und das Tageslicht reicht. Vergiss die Taschenlampe nicht – sie ist hier kein Komfort, sondern Voraussetzung. Wie du in den ruhigen Westen der Insel kommst, bündelt unser Anreise-Guide; offizielle Infos stehen bei Visit Møn.