Eine Kirche über dem Fjord
Im dünn besiedelten Südwesten Møns steht die Fanefjord Kirke weithin sichtbar auf einer Anhöhe über dem gleichnamigen Fjord. Die Lage ist Teil ihres Reizes: weite Felder, stilles Wasser und kaum Bebauung ringsum. Das Schiff stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, die Kreuzgewölbe kamen um 1300 hinzu, Vorhalle und Turm um 1500, der Chor erst um 1660. Wie die anderen Inselkirchen diente auch sie Seefahrern lange als Landmarke.
Das Meisterwerk des Elmelunde-Meisters
Die Gewölbefresken der drei Møner Kirchen Elmelunde, Keldby und Fanefjord entstanden um 1500 von der Hand desselben namentlich unbekannten Künstlers, den man nach seinem Werk schlicht den Elmelunde-Meister nennt. Die ältesten Malereien am Triumphbogen reichen sogar bis um 1350 zurück. Die drei Ausstattungen ähneln einander, doch Fanefjord gilt vielen als das Meisterwerk unter ihnen.
Charakteristisch für den Elmelunde-Meister sind warme Farben – Dunkelrot, Rostbraun, Gelb, Grün, Grau und Schwarz – und Figuren mit ausdruckslosen, fast schläfrigen Gesichtern, deren Köpfe oft seitlich gewandt sind, während die Körper frontal stehen. In Fanefjord überzieht ein dichtes Geflecht aus Ranken, Blattwerk und biblischen Szenen die Gewölbe und gibt der Decke einen fast teppichartigen Eindruck. Mehr zum Stil und zur Reihenfolge der Kirchen steht im Überblick zu den Freskenkirchen Møns.
Verschüttet und freigelegt
Wie in vielen dänischen Kirchen wurden die Malereien nach der Reformation übertüncht. Erst 1932 bis 1934 legte das Nationalmuseum die Fresken wieder frei; eine umfassende Restaurierung wurde 2009 abgeschlossen. Heute zählen sie zu den bedeutendsten Beispielen mittelalterlicher Wandmalerei in Nordeuropa und präsentieren sich in stabilem Zustand.
Grønsalen – ein Großsteingrab nebenan
Wenige hundert Meter südlich der Kirche liegt Grønsalen, auch Grønjægers Høj genannt, eines der größten Großsteingräber Dänemarks. Der Hügel aus der Jungsteinzeit ist 102 Meter lang und 10 Meter breit, von über 120 Randsteinen gesäumt und birgt drei Grabkammern; datiert wird er auf rund 3500 v. Chr. Damit erinnert er daran, dass Møn schon vor rund 5.000 Jahren besiedelt war – auf der Insel sind Dutzende solcher Megalithgräber erhalten, etwa das begehbare Kong Asgers Høj im selben Inselwesten. Das Grab steht als geschütztes Bodendenkmal im offenen Gelände und ist zu Fuß frei erreichbar.
Besuch und Praktisches
Die Kirche an der Fanefjord Kirkevej steht ganzjährig täglich von 8 bis 18 Uhr offen, der Eintritt ist frei; um eine Spende in dänischen Kronen wird gebeten. Als geweihter und genutzter Raum bittet die Pfarrei um respektvolles Verhalten – während Gottesdiensten und kirchlichen Handlungen kann die Besichtigung eingeschränkt sein, plane den Besuch also außerhalb dieser Zeiten. Für die Gewölbefresken lohnt sich der helle Tagesverlauf, am besten vormittags bis mittags; ein Fernglas hilft, die Details in der Höhe zu erkennen. Eine halbe Stunde reicht für einen aufmerksamen Rundgang, mit Grønsalen nebenan solltest du mehr Zeit einplanen. Hinweise zu Routen über die Insel bündelt unser Anreise-Guide.