Eines von nur zwei erhaltenen Stadttoren Dänemarks
Die Mølleporten („Mühlentor”) ist das ehemalige östliche Stadttor von Stege und das Wahrzeichen der Inselhauptstadt. Bemerkenswert ist nicht nur ihr Alter, sondern ihre Seltenheit: Sie ist eines von nur zwei erhaltenen mittelalterlichen Stadttoren Dänemarks – das andere ist die Vesterport im fünischen Faaborg. Der markante Backsteinbau mit Treppengiebel erinnert daran, dass Stege im Spätmittelalter eine reiche, befestigte Handelsstadt war.
Stege und der Hering
Stege erhielt bereits 1268 Kaufstadtrechte und zählte im 15. Jahrhundert zu den wohlhabendsten Handelsstädten Dänemarks. Den Reichtum brachte der Hering: Der Heringsfang im Øresund und das große Skånemarked (Blütezeit etwa 1250 bis 1450) machten gesalzenen Hering zum Hauptexportgut, das von Russland bis Sizilien gehandelt wurde. Vor Einführung des Øresundzolls war dieser Handel eine der größten Einnahmequellen der dänischen Krone – und Stege saß mitten drin.
Vom Wall zum letzten Tor
Um 1430 wurde an der Nordseite der Stadt ein Erdwall (byvold) angelegt, gegen Ende des Jahrhunderts kamen drei Tortürme hinzu. Die Mølleporten selbst stammt aus dem späten 15. Jahrhundert; schriftlich erwähnt wird sie erstmals 1531 im Steger Stadtbuch. In den 1680er-Jahren ließ der Amtmann von Plessen Mauer und zwei der Tore abreißen – nur die Mølleporten blieb stehen, mit einer Gefängniszelle im Obergeschoss. Heute sind rund 800 Meter Wall und Graben erhalten, an denen entlang Wanderwege führen.
Innen begehbar – seit der Restaurierung
Lange ließ sich das Tor nur von außen betrachten. Das hat sich geändert: Eine umfassende Restaurierung von 2019 bis 2022, finanziert von der Stiftung Realdania, hat den Bau auch innen zugänglich gemacht. Dabei wurde das Straßenniveau um etwa 80 Zentimeter abgesenkt, um den lange verdeckten Sockel wieder freizulegen. Heute steigt man durch die Gewölbe bis in die obere Etage und blickt von dort über die Stadt und aufs Wasser.
Wichtig für die Planung: Der Tordurchgang ist frei und jederzeit zu Fuß oder mit dem Rad passierbar (für Autos ist er seit 1987 gesperrt). Das Innere dagegen ist nur während der Öffnungszeiten von Møns Museum zugänglich und im Museumsticket enthalten – einen separaten Einzelzugang nur fürs Tor gibt es nicht. Wegen der mittelalterlichen Architektur und der schmalen Treppen ist das Innere nicht rollstuhl- oder kinderwagentauglich; der Durchgang unten dagegen ist ebenerdig.
Besuch und Praktisches
Die Mølleporten steht an der Storegade 75 in 4780 Stege und ist ein natürlicher Ausgangspunkt für einen Bummel durch die kleine Altstadt mit ihren Kopfsteingassen. In unmittelbarer Nähe lassen sich der Stege Byvold mit Wall und Graben, die Stege Kirke und das Stadtmuseum Empiregården (Møns Museum) verbinden – ein gut zusammenhängender Stadtspaziergang. Für die reine Außenbesichtigung reichen 15 bis 30 Minuten, mit dem Inneren sollte man 30 bis 45 Minuten einplanen. Am angenehmsten ist der Besuch zwischen Frühling und Frühherbst; das Innere ist an die Museumssaison von Ende März bis Mitte Oktober gebunden. Wie du nach Stege kommst, bündelt unser Anreise-Guide; offizielle Infos stehen beim Møns Museum.